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real.de wird überarbeitet

Deutsche Supermarktkette real fusioniert mit Kaufland. Die Fusion umfasst auch die Online-Marktplätze beider Ketten, das heißt, real.de wird in Zukunft als kaufland.de weitergeführt. Erfahren Sie, wie sich das auf den eCommerce-Markt in Deutschland auswirkt und wie es um Fälschungen auf der Plattform bestellt ist.

Die Landschaft der Verbraucher:innenmärkte in Deutschland befindet sich in einem großen Wandel. Die bekannte SB-Warenhauskette real wurde von Kaufland gekauft, einer ebenfalls bekannten Kette deutscher SB-Warenhäuser.

Aufgrund der Größe des Zusammenschlusses untersuchten die deutschen Wettbewerbsbehörden (Bundeskartellamt), ob der Verkauf im Einklang mit dem Kartellrecht steht. Ende 2020 erhielt Kaufland grünes Licht vom Bundeskartellamt und der Zusammenschluss konnte vollzogen werden.

Im Rest der Welt relativ unbekannt, war real in Deutschland eine große Ladenkette, nicht unähnlich Walmart oder Sainsburys. Während der Schwerpunkt auf Lebensmitteln lag, bot real eine große Auswahl an Waren von Kleidung über Spielzeug, Elektronik, Kosmetik und mehr.

Von real zu online

Gegründet in 1992, startete real mit stationären Filialen seiner Warenhauskette und wurde schnell beliebt bei den deutschen Verbraucher:innen. Laut dem letzten Geschäftsbericht vor der Fusion (2018) brachte real seiner Muttergesellschaft, der Metro AG, 7,07 Milliarden Euro Umsatz.

Real startete sein eCommerce-Geschäft real.de im Jahr 2010, hauptsächlich als virtuelle Erweiterung der physischen Märkte. Richtig durchgestartet ist die Verkaufsplattform aber erst 2016, als das Unternehmen den bereits erfolgreichen Online-Marktplatz hitmeister,de kaufte und mit real.de fusionierte.

Mit einem breiten Angebot an Produkten wie Mode, Beauty, Elektronik, Möbeln, Sportartikeln und mehr (im Grunde alles, was die stationären Läden anbieten, außer Lebensmitteln) wurde real.de zu einem bescheidenen Konkurrenten von Amazon und eBay in Deutschland.

In den letzten sechs Monaten war real.de die 59. meistbesuchte Website in Deutschland und hatte durchschnittlich 26 Millionen monatliche Besucher*innen. Fast 95% der Besucher:innen kommen aus Deutschland, der Rest aus benachbarten oder anderen deutschsprachigen Ländern wie Österreich (1,15%), der Schweiz (0,54%) und den Niederlanden (0,47%).

Grafik über monatliche Besucher:innen auf Amazon.de, eBay.de und real.de
Grafik über monatliche Besucher:innen auf Amazon.de, eBay.de und real.de

Zum Vergleich: Amazon.de hatte im gleichen Zeitraum rund 500 Millionen monatliche Besucher und war damit die 4. meistbesuchte Seite in Deutschland.

Die gleichen Daten für eBay.de sind 350 Millionen monatliche Besucher und die 6. meistbesuchte Seite im Land.

Obwohl real.de keine Chance zu haben scheint, Amazon oder eBay als beliebtesten Online-Marktplatz in Deutschland zu schlagen, kann seine Marktpräsenz weder von Analyst:innen noch von Marken ignoriert werden. Und schon gar nicht von Online-Markenschutzexpert:innen.

Real.de und Fälschungen

Obwohl das Handbuch für Händler von real.de den Verkauf von gefälschten Produkten verbietet, ist der Marktplatz nicht davor gefeit, dass Fälschungen auf der Plattform auftauchen (oder sogar Phishing-Betrug, der von Betrüger:innen im Namen des Marktplatzes organisiert wird). Da real.de mit Drittanbieter:innen arbeitet, haben Fälscher:innen und Graumarkter:innen die Möglichkeit, sich einzuschleichen und Angebote zu erstellen.

Die Verkäufer:innen auf der Plattform kommen aus der ganzen Welt, auch aus China, woher heute die meisten gefälschten Produkte stammen. Diese Betrüger:innen machen wirklich ihre Hausaufgaben, recherchieren Märkte und betreten nationale Nischenmarktplätze, die es ihnen aufgrund ihrer Unerfahrenheit mit internationalen Fälschungen ermöglichen, zumindest für eine Weile unter dem Radar zu fliegen. Und obwohl real.de eine relativ hohe Bewertung (4,4) auf Trustpilot hat, haben einige Kund:innen immer noch Probleme mit der Qualität und dem Kundenservice der verschiedenen Verkäufer:innen auf der Plattform.

Die Online-Markenschutzexpert:innen von globaleyez hatten auch auf real.de schon mit Fälscher:innen und Graumarkter:innen zu tun. Obwohl nicht so beliebt bei Fälscher:innen wie Amazon oder eBay, haben wir schon in mehreren Fällen gefälschte Versionen der Produkte unserer Kund:innen auf real.de entdeckt.

Diese Entdeckungen haben wir im Rahmen unseres Testkauf Services gemacht. Um festzustellen, ob es sich bei einem angebotenen Produkt um eine Fälschung handelt, sind Testkäufe bestens geeignet. Die Beweise, die wir durch einen Testkauf erheben, dienen außerdem als Basis für gerichtsverwertbare Dokumentationen, die unsere Kund:innen im Kampf gegen Fälscher:innen vor Gericht unterstützen.

Aufgrund der Größe der Plattform und der relativen Unerfahrenheit im Umgang mit Fälschungen dauerte es etwas länger als üblich, bis real.de auf unsere Takedown-Anfragen reagierte. Obwohl real.de eine Möglichkeit bietet, betrügerische Angebote zu melden, reagiert die Plattform in der Regel langsamer auf unsere Anfragen als andere Marktplätze. Dennoch stellen wir mit durch unseren Enforcement Service sicher, dass Angebote gefälschter Versionen der Produkte unserer Kunden:innen so schnell wie möglich von real.de entfernt werden.

Ob sich durch den Zusammenschluss mit kaufland.de die Arbeitsweise von real.de in Bezug auf Fälschungen wesentlich ändert, bleibt abzuwarten. Wir hoffen jedenfalls, dass die wachsende Plattform real.de (bzw. ab Mitte April 2021 kaufland.de) den nötigen Schub gibt, um effizientere Meldeverfahren und bessere Richtlinien gegen Fälscher:innen zu schaffen.

Wir glauben jedoch nicht, dass der Zusammenschluss den Bekanntheitsgrad der Plattform bei den Fälscher:innen erhöhen wird und erwarten, dass die Anzahl der Fälschungen auf dem Marktplatz größtenteils so bleibt, wie sie derzeit ist. Denn real.de ist trotz der Fusion immer noch einer der kleineren Online-Marktplätze in Deutschland.

real.de und kaufland.de

Ab Mitte April 2021 fusioniert real.de mit kaufland.de, einer Plattform, die selbst bereits ein funktionierender Online-Marktplatz ist. Zahlenmäßig schneidet kaufland.de jedoch nicht so gut ab wie real.de. Die Plattform hat etwa 6-8 Millionen Besucher:innen pro Monat und ist die 329. meistbesuchte Website in Deutschland.

Theoretisch könnte der Zusammenschluss beider Marktplätze die Besucherzahlen vereinen und dem entstehenden Marktplatz zu neuen Höchstwerten verhelfen (so wie es real.de bereits 2016 mit dem Kauf von hitmeister.de gelang). Wie die Verkäuferplattform von real.de verkündet, "steigen das größte Handelsunternehmen Europas und einer der am schnellsten wachsenden Marktplätze Deutschlands gemeinsam in den Ring." Sicherlich setzt die Muttergesellschaft von Kaufland, die Schwarz-Gruppe, große Hoffnungen in den entstehenden Marktplatz.

Inwieweit sich die Kund:innenkreise der beiden Marktplätze überschneiden und inwieweit die bisherigen real.de-Kund:innen kaufland.de vertrauen, bleibt abzuwarten.

Unabhängig davon, wie sich die Zukunft des neuen Marktplatzes gestaltet, wird globaleyez die Plattform weiterhin beobachten und über alle Probleme berichten, die den Online-Schutz von Marken betreffen.

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